Gedanke · Führung

Der Hahn kräht nicht,
um der Lauteste zu sein.

– Simone Reichstein

Neulich früh am Morgen saß ein Hahn auf einem alten Anhänger, unter einem Apfelbaum, und krähte. Nicht wild, nicht hektisch. Einfach – weil der Tag begonnen hatte.

Krähender Hahn

Ich musste an Führung denken. Wir verbinden Führung oft mit Lautstärke. Mit derjenigen Person, die am meisten redet, die klarsten Ansagen macht, die immer eine Antwort parat hat. Aber ein Hahn kräht nicht, um der Lauteste im Hühnerhof zu sein. Er kräht, weil er als Erster wach ist – und anderen zeigt, dass ein neuer Tag beginnen darf.

Das ist ein anderes Bild von Führung als das, was uns die meisten Organisationen vorleben. Nicht: Ich weiß alles, deshalb höre mir zu. Sondern: Ich bin bereits wach, ich bin bereits da – komm, der Tag beginnt.

„Gute Führung beginnt nicht mit einem Werkzeug. Sie beginnt mit dem Menschen, der führt.“

Erst wenn eine Führungskraft in sich selbst Sicherheit und Ruhe gefunden hat, kann sie genau das auch anderen schenken. Nicht durch Kontrolle. Sondern durch Präsenz. Durch das, was sie einfach ist, bevor sie überhaupt etwas sagt.

Vielleicht ist genau das die Führung, die wir in Teams und Organisationen wirklich brauchen. Nicht die lauteste Stimme. Sondern die, die zuerst wach ist – und den anderen zeigt: du darfst jetzt auch aufwachen.

Manchmal beginnt Führung einfach damit, da zu sein.

– Simone Reichstein